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Impressum ohne Privatadresse: was erlaubt ist

6 Min. Lesezeit · Privora Datenschutz-Ratgeber

Freiberufler und kleine Firmen schreiben ins Impressum, wo sie sitzen — meist die eigene Wohnung. Von dort wandert die Adresse in Firmendatenbanken und Adresshändler-Listen. So bekommst du sie heraus, ohne gegen die Impressumspflicht zu verstoßen.

Woher deine Privatadresse kommt

Meist aus drei Quellen gleichzeitig. Erstens dem Impressum: Diensteanbieter müssen Namen und die Anschrift angeben, unter der sie niedergelassen sind (§ 5 Abs. 1 Nr. 1 DDG) — im Homeoffice ist das die Wohnadresse. Zweitens der Gewerbeanmeldung: Name, Geschäftsbezeichnung, betriebliche Anschrift und angezeigte Tätigkeit „dürfen allgemein zugänglich gemacht werden” (§ 14 Abs. 5 GewO). Drittens dem Handelsregister, falls du eingetragen bist: die inländische Geschäftsanschrift ist dort Pflicht (§ 29 HGB) und seit dem 1. August 2022 für jeden kostenlos und ohne Anmeldung abrufbar. Portale wie North Data übernehmen diese Daten automatisch.

Was das Gesetz verlangt — und was nicht

Verlangt wird eine ladungsfähige Anschrift: Straße, Hausnummer, PLZ und Ort, unter denen dich Post und Zustellungen tatsächlich erreichen. Ein Postfach oder eine Packstation genügt dafür nicht. Nicht verlangt wird deine private Telefonnummer — der EuGH hat entschieden, dass eine Telefonnummer nicht zwingend ins Impressum muss, solange neben der E-Mail ein weiterer schneller, direkter Kontaktweg besteht (Urteil vom 16.10.2008, C-298/07). Die Adresse einfach wegzulassen ist dagegen keine Option: Wer die Angaben nach § 5 Abs. 1 DDG nicht, nicht richtig oder nicht vollständig bereithält, handelt ordnungswidrig; das kann mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro geahndet werden (§ 33 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 6 Nr. 3 DDG) — und ist ein beliebter Abmahngrund.

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Die legale Alternative: eine echte Geschäftsadresse

Du darfst eine andere Adresse angeben — aber nur, wenn du dort auch wirklich niedergelassen bist. Das ist der Punkt, den die meisten Ratgeber unterschlagen: Das Gesetz fragt nach der Anschrift deiner Niederlassung, nicht nach irgendeiner Adresse, an der Post ankommt. Ein Arbeitsplatz in einem Coworking-Space, ein Büro oder eine Praxisgemeinschaft trägt also dann, wenn du von dort aus tatsächlich arbeitest. Ein Schreibtisch, den du nur mietest, um die Wohnadresse aus dem Impressum zu halten, während der Betrieb weiter zu Hause läuft, trägt nicht. Vorsicht außerdem bei reinen Briefkasten- und Weiterleitungsdiensten: Zur ladungsfähigen Anschrift im Zivilprozess hat der BGH entschieden, dass die Adresse eines Postdienstleisters, der Post nur weiterleitet, nicht genügt (Urteil vom 7.7.2023, V ZR 210/22 — dort zu § 253 ZPO, nicht zum Impressum). Eine höchstrichterliche Entscheidung speziell zu virtuellen Büros im Impressum ist uns nicht bekannt. Frag jeden Anbieter vor Vertragsschluss ausdrücklich, ob er Zustellungen für dich entgegennimmt — steht das nicht im Vertrag, lass es.

Die Adresse an der Quelle ändern

Ändere zuerst die Quelle, sonst spielen die Portale die alte Adresse beim nächsten Abgleich wieder ein. Gewerbetreibende zeigen die Verlegung des Betriebs beim Gewerbeamt an (§ 14 Abs. 1 GewO). Im Handelsregister eingetragen? Dann ist die Änderung der inländischen Geschäftsanschrift anzumelden (§ 31 HGB) — elektronisch in öffentlich beglaubigter Form, also über einen Notar (§ 12 Abs. 1 HGB). Freiberufler ohne Gewerbe melden die neue Adresse dem Finanzamt; das ist unkritisch, weil Finanzamtsdaten dem Steuergeheimnis unterliegen (§ 30 AO). Danach ziehst du Impressum, Rechnungen, AGB, E-Mail-Signatur, Social-Media-Profile und dein Google-Unternehmensprofil nach.

Was sich nicht mehr löschen lässt

Sei realistisch: Aus dem Handelsregister selbst bekommst du nichts entfernt. Der EuGH hat entschieden, dass es kein allgemeines Recht auf Löschung von Registerdaten gibt. Eine Beschränkung des Zugangs Dritter kommt nur ausnahmsweise in Betracht — und zwar erst nach Ablauf eines hinreichend langen Zeitraums nach der Auflösung der Gesellschaft, gegenüber Dritten, die ein besonderes Interesse an der Einsichtnahme nachweisen (Urteil vom 9.3.2017, C-398/15, „Manni”). Für ein laufendes Unternehmen hilft das also nicht. Und aus deinem eigenen Impressum bekommst du die Adresse nicht per Artikel 17 DSGVO heraus: Solange du dort niedergelassen bist, ist die Angabe gesetzliche Pflicht.

Bei den Portalen kannst du etwas erreichen

North Data und ähnliche Firmenportale sind nicht das Register — sie verarbeiten die Daten in eigener Verantwortung als Verantwortliche (Art. 4 Nr. 7 DSGVO), gestützt unter anderem auf ein berechtigtes Interesse (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO). Genau dagegen kannst du nach Artikel 21 DSGVO Widerspruch einlegen und Gründe aus deiner besonderen Situation nennen; der Anbieter muss dann abwägen. Verlange in derselben Mail mindestens die Aktualisierung auf deine neue Geschäftsadresse. North Data nennt dafür privacy@northdata.de; bei anderen Portalen findest du den Datenschutzkontakt in deren Datenschutzerklärung oder Impressum. Antwortfrist: ein Monat. Vorlage gefällig? Nutze unseren kostenlosen DSGVO-Löschgenerator. Passiert nichts, kannst du dich kostenlos bei deiner Landesdatenschutzbehörde beschweren.

Der Rest des Internets

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